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Louisiana (Dänemark)

Am 19. Mai gegen 5:00 Uhr in der Frühe sammelte sich eine Gruppe Designjunkies am Bahnhof in Rostock. Gut gelaunt sprangen junge Kreative aus allen Jahrgängen in den Bus zum Überseehafen. Dort angekommen dann die Hiobsbotschaft: »Prins Joachim« – unser Schiffchen – ist kaputt gegangen. Wie konnte das nur passieren. Eine Gruppe Architekturstudenten der Wismarer Uni (die sich unserer Dänemarkreise angeschlossen hatten) spekulierte, ob vielleicht mal wieder ein Ölwechsel nötig war.

Der ein oder andere Spaß vertrieb die Zeit und schon bald hatte das Scandlines-Team seine Schiffsschraube im Hafenbecken wieder gefunden. Kurz nachdem die Fähre dann den Hafen verließ, stellten sich 193 Meter Kreuzfahrtschiff in den Weg – also eigentlich wollte es nur im Rostock Port einparken üben.

Nach einer doch extrem ruhigen Überfahrt kamen auf der dänischen Autobahn dann die ersten Regentropfen. Sollte der Tag ins Wasser fallen und »Prins Joachim« uns je wieder von der Insel holen?

Die Ankunft in Louisiana ließ hoffen: Sonnenschein, blühende Gärten und fröhliche Kinderscharen auf dem Weg ins Museum. Aber Louisiana Museum of Modern Art ist nicht nur ein Museum – Louisiana ist ein großer Spielplatz. Im Garten versteckt sich hinter jedem Baum irgendein Meisterwerk: humorvolle Fabelwesen von Max Ernst, perfekte Rundungen von Jean Arp oder rostige Stahlwände von Richard Serra.

Auch die Gebäude stehen nicht einfach so da … lang gestreckt integriert sich das Museum selbst in die Anlage. Es entsteht ein beeindruckendes Gesamtkonzept in dem der Besucher herumwandeln kann. Als Deutscher ist man erstaunt, einfach über die Wiese laufen zu dürfen.

Derzeit ist natürlich die Picasso-Ausstellung das große Thema. Vielleicht hab ich Picasso einfach schon zu oft gesehen, dass ich mich nicht mehr so für sein Werk begeistern kann. Aufgefallen ist mir die Sichtweise der Bilder auf die Frau. Völlig unterdrückt, unemanzipiert, verletzt und selten schön. Die Bilder geben Anreiz, auch über das heutige Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen zu diskutieren.

Ein zweiter Gedanke zu Picasso kam mir bei dem Thema »The Dove of Peace«, einem der acht Themen der Ausstellung. Die einfache Friedenstaube ist jedem als Logo für die Friedensbewegung bekannt. Aber erst das Lebenswerk – die vielen Jahre Arbeit Picassos haben zu ihr geführt. Ich war erstaunt über die zahlreichen Varianten und Zwischenschritte von Picasso. Im Grunde gefielen mir die ausgearbeiteten und detaillierten Zeichnungen bzw. Gemälde besser als das bekannte Täubchen.

Auch in Louisiana zu sehen ist David Hockney, der statt Home Made Prints nun auf der Apple-Welle mitschwimmt. So ist die ganze Ausstellung auf iPods, iPads und großen Screens präsentiert. Es laufen sanfte Bildwechsel, kleine Speedpainting-Filme oder die typischen Slide-Effekte. Der Hersteller ist nirgends zu sehen und lässt die grellen expressiven Motive von Hockney wirken. Meiner Meinung nach könnte man allerdings eine wunderbare Werbekampagne draus machen oder mal eine Hockney-Edition für den iPod rausbringen.

An die Malerei von Al Taylor, der noch bis 15. Juni in Louisiana zu sehen ist, kam ich nicht so ganz heran. Aber seine Fotos haben mich extrem fasziniert. Eine Serie mit sepiafarbenen Aufnahmen von alten amerikanischen Häusern mit rostigen amerikanischen Autos davor. Der Bildausschnitt und die starke Bewegungsunschärfe machten die Bilder noch spannender.

Nach den vielen schwarz-weißen Zeichnungen von Al Taylor, kam man schließlich zu einer Tür, durch die man mit maximal zwei Personen durfte. Mit dem grauen Konzept von Taylor im Kopf stand ich plötzlich mitten im Universum von Yayoi Kusama. Bei seiner Installation »Gleaming Lights of the Souls« steht der Besucher auf einem kleinen Steg im Wasser. Der Raum ist komplett schwarz und die Wände sind verspiegelt. Von der Decke hängen leuchtende Kugeln in unterschiedlicher Höhe und dimmen ihr Licht gleichzeitig in verschiedenen Farben. Wer meint er hätte schon alle Drogen getestet, sollte unbedingt mal in diesen Raum gehen.

Henry Moore Plastik in Louisiana

Bevor es weiter nach Kopenhagen ging, genossen wir das gute Wetter auf der Wiese mit Blick über den Øresund. Auf dem steilen Abhang tobten dänische Kinder und deutsche Nachwuchsdesigner.

Die Fahrt ging dann am Wasser entlang und wir landeten schließlich im Amaliehaven von Kopenhagen. Von dort aus wanderten wir in den Stadtteil Christiana, wo ich mich mit den Wismarer Kollegen über Rostocker Fliesenleger unterhielt. Völlig inspiriert und benebelt taumelten wir zurück durch’s sonnige Kopenhagen – umringt von Fahrradfahrern und Designbüros. Grüße an Saatchi & Saatchi Copenhagen übrigens – schöne Lage dort am Kastellet :)

Amaliehaven in Kopenhagen

Trotz des holprigen Starts war die Reise ein wunderbares Erlebnis mit vielen Eindrücken, die ich so schnell nicht vergessen werde – zumindest erinnern mich die sieben Kronen auf meinem Monitorsockel noch eine Weile an das dänische Intermezzo.

Mein Dank gilt noch Felix Kapolka für die Unterstützung zu diesem Beitrag.

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