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Ende Juni war ich mit meinem Vater in Paris. Die Tour wollte ich euch nicht vorenthalten und so habe ich mich noch einmal hingesetzt und sie für den Blog aufbereitet. Während wir unterwegs waren hatte ich bereits ein wenig Tagebuch geführt, dass ich hier als Grundlage nehmen möchte.

Samstag 18.06.2011
Kurz vor der Fahrt hatte ich mir vorgenommen die Hamburger Art Week mitzunehmen, weil sie auf der Strecke liegt. Aber viel zu merken war vor Ort dann gar nicht leider. In der Teilnehmer-Liste stand auch das Bucerius Kunst Forum mit William Turner – einer meiner Lieblingsmaler. Sie hatten die halbe Turner-Sammlung aus der Tate London leer geräumt und eine geniale Mischung kreiert mit zahlreichen Aquarellen und vielen Arbeiten, die mein Bild von Turners Gesamtwerk nun vervollständigt haben. Nach einer Pizza im Sturm ging es weiter mit dem Zug nach Paris.

Sonntag 19.06.2011
Ausgeschlafen kamen wir in einer wunderbar-verträumten Metropole an, die ihren Müll vom wilden Samstag gerade von der Straße räumte.

Aus den ersten Eindrücken wurde schnell ein ganzes Abenteuer mit Galerien, Mode, Fotografie, Café, … Zurück am Bahnhof viel mir auf, wie unübersichtlich das Verkehrs-Leitsystem in Paris ist. Nach einigen U-Bahnstationen ging die Fahrt dann zu einem Konzertbesuch nach Chartres, die es an diesem Tag in die Liste meiner Lieblingsstädte schaffte, neben Orten wie Brügge in Belgien oder Bamberg in Deutschland.

 

Das Konzert fand direkt in der Kathedrale statt. Zu hören war die Lettner-Passion von Reinhard Ohse, meinem Großonkel, der sonst sein Unwesen im Naumburger Dom treibt.

Montag 20.06.2011
Der Morgen begann mit dem Weg Richtung Orsay. Unterwegs schaute ich bei Landor vorbei, die ja in Paris eine Niederlassung haben. Statt dann aber weiter zum Orsay zu gehen, suchten wir das Atelier von Gustave Moreau – wohl eine der besten Entscheidungen auf unserer Tour. Als Besucher findet man dort das Haus so vor, als hätte Gustave es vor einer Stunde verlassen. Die Räume zeugen von einer ganz besonderen Zeit.

Steigt man im Haus nach oben, kommt man zu den riesigen Atelier-Räumen unter dem Dach, die mit den riesigen Meisterwerken zugehängt sind. An den Seiten hat man als Besucher die Möglichkeit seitenweise Studien von Moreau in Schaukästen zu durchblättern. Er war unter anderem Lehrer von Malern wie Matisse oder
Marquet und seine Bilder zeugen, ob fertig oder nicht, von einer unendlichen Fülle an Techniken und Stilrichtungen. Mich haben die Gefühlswelten beeindruckt. Teils Ängste, Tod, Hass und nekromantische Fabelwesen, wie sie heute in Onlinespielen zu sehen sind. Teils aber auch Zauberwelten wie bei Chagall, Liebe und absolute Schönheit.

Nach diesem Eindruck führte uns der Weg weiter durch Paris. Mit einem Abstecher zur »École nationale supérieure des beaux-arts de Paris« – der staatlichen Hochschule der Schönen Künste Paris, an der auch Moreau Ende des 19. Jahrhunderts lehrte. In der gleichen Straße, der Rue de Seine befinden sich zahlreiche hochinteressante Galerien, wie z.B. die Galerie Frederic Got mit Bildern von Elliott Erwitt oder die Galerie de l’Europe mit Fotos von Michel Rajkovic, Serge Remelli und Boris Wilensky.  Große Augen habe ich bei den Originalen von Victor Vasarely gemacht, von denen ich in ganz Paris vielleicht fünf bis zehn gesehen habe. Für mich ist Vasarely der Vorreiter systematischer psychedelischer Moderne und der OP-Art-Künstler schlechthin. In den Galerien hängen aber so ziemlich alle Großen. Monet, Miró, Klee, Picasso, Giacometti, … alles käuflich und zum mitnehmen. Statt in überfüllten Museen, kann man die Kunst auch auf diese Weise bewundern – nur mit viel mehr abenteuerlichen Beigeschmack und Preisschildern drunter. Empfehlenswert ist dafür auch die Avenue Matignon, in der sich unter anderem die Galerie du Post-Impressionnisme befindet mit Bildern von Van Dongen, Derain, Signac oder Marquet.

Dienstag 21.06.2011
An diesem Tag wollte ich statt klassischer Malerei mal sehen, ob Paris auch eine moderne (Grafik-)Design-Szene hat. Dazu ging es zunächst zum Palais de Tokyo bzw. dem Musée d’Art moderne de la Ville de Paris, in dem wir uns neben der Dauerausstellung noch  »Van Dongen – Fauve, anarchiste et mondain« und die Arbeiten von Marc Desgrandchamps anschauten, die einen guten Gegensatz zu Van Dongen geschaffen haben. Gleich gegenüber steht das Palais de Tokyo. Hier hatte ich gehofft ein wenig modernes Design zu finden, aber vergeblich – auch weil sich das Palais wohl im Umbau befand. Ein Flyer versprach aber mehr: Eau + Art + Design im Pavillon de L’eau.

Einige Stationen später trafen wir dort auf Designlösungen zum Thema Wasser. Zum einen schön anzusehen, aber auch funktional wie das W+W von Roca, einer Kombination aus Waschbecken und WC, dass den Wasserverbrauch reduziert. Nunja – mit Grafikdesign hatte das noch nicht viel zu tun, aber die Exponate zeigten Design mit Problemlösungscharakter und das ist manchmal mehr Wert als ein schönes Grafik-Konzept. Auf dem Rückweg ging es in der Mitte der Seine über die Allee des Cygnes, auf der sich eine kleine Freiheitsstatue befindet. Am Seine-Ufer zeigten sich die ersten Musikanten zur Fête de la Musique, dem Straßenmusik-Festival, das in Paris 1982 auch seinen Anfang hatte und mittlerweile in ganz Europa gefeiert wird. Abends stand vor der Oper ein ganzes Blasorchester, überall waren kleine Bühnen und die Straßen von Paris wurden zu einem großen Festival, bei dem sich die verschiedensten Sounds überlagern, wenn man von einer Bühne zur anderen geht. Dabei ist Paris bei Nacht sowieso schon ein Genuss von Stadt.

Mittwoch 22.06.2011
Der Tag begann im Regen. Vielleicht doch noch die Chance bei Manet im Orsay zu verschwinden.

Nach einigen U-Bahn-Umleitungen an unterirdischen Baustellen vorbei, kamen wir dort an. In der längeren Schlange am Eingang machten Flugblätter die Runde, auf denen das Personal ihren Streik ausrief, weil das Museum ihre Besucher scheinbar wie die Sardinen durch lies, um besonders viel Geld zu machen. Im Museum selbst war es dann allerdings weniger schlimm als befürchtet. Bevor es zurück nach Deutschland ging saßen wir schließlich noch selbst vor dem Bahnhof, um ein paar Kohle- und Bleistiftzeichnungen vom quirligen Stadtleben zu machen.

Weitere Links
Anne Valverde Photographer @ annevalverde.com
Galerie Zlotowski @ galeriezlotowski.fr
Paris Pluriel (Architekten und Möbeldesigner) @ parispluriel.com
Elizabeth Prouvost Photographie @ elizabethprouvost.fr
galerie agathe gaillard @ agathegaillard.com