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© Michael Schultz

Im Mai diesen Jahres stieß ich das erste mal auf Michael Schultz. Grund war meine Ausarbeitung zum Thema Typografie in der bildenden Kunst. Gestellt wurde die spannenden Aufgabe von Frau Niedermauntel, unserer Dozentin für Kunst- und Designgeschichte an der da!:DESIGNAKADEMIE.

Als ich Michael im Mai interviewte studierte er gerade Politikwissenschaften, was man seinen Arbeiten durchaus ablesen kann. Das kreative Schaffen hat sich Michael selber beigebracht. Allerdings ist seine Mutter Malerin, was seine Begabung vielleicht ein bisschen gefördert hat und wie so oft ist auch für Michael die Musik eine große Inspirationsquelle. Auf deviantart schreibt er dazu: »Anyways, considering music it’s not that easy to say what you call art. My question is: Which band or musician makes you most creative? I’d love to read some comments here to answer that. I can tell that I love to listen to Wolf Parade

Direkt @ deviantart.com

Aber nun zu seiner Arbeit. Vorstellen möchte ich euch »Tears of Hate«, das 2007 entstand. Eine Freundin von Michael hatte die Idee, etwas in diese Richtung zu entwerfen. Heraus kam neben der grafischen Umsetzung auch ein tiefgründiger Text.

© Michael Schultz

you
hate
life
foreigners
sickness of mind
hate.fear.pain
people?
yourself!

free your mind. stop hating. stop
racism!
stop being an aggressive coward.
stop crying for attention in that way.
start to feel. it‘s worth it!

du
hasst
leben
ausländer
krankheit des geistes
hass.angst.schmerzen
menschen?
dich!

befreie dein geist. hör auf zu hassen. stoppe
rassismus!
hör auf ein aggressiver feigling zu sein.
hör auf so nach aufmerksamkeit zu schreien.
beginne zu fühlen. es lohnt sich!

Bei Tears of Hate wurde die Freefont »Nu Century Gothic« benutzt. Es wurden unterschiedliche Punktgrößen genutzt. Dadurch und durch den Orangeton treten unterschiedliche Wertigkeiten auf. Das Bild wird nicht nur interessanter, sondern man beginnt durch die entstandenen Schlagwörter sofort mit dem Lesen. Der Text ist recht ungeordnet, da es kaum eine erfassbare Absatzformatierung gibt. Außerdem wurde er schräg in den Kopf geknallt. Die Themen Rassismus und Gewalt werden dadurch verstärkt. Durch die Typografie wird der Inhalt wortwörtlich vor den Kopf gestoßen. Die Bedeutung des Textes liegt auf der Hand, nämlich der Appell aufzuwachen, mit der Gewalt aufzuhören und stattdessen Gefühl zu zeigen. Die Illustration des Kopfes mit den Tränen drückt Trauer aus. Wenn man sein Äußeres interpretiert, könnte es durchaus ein Neonazi sein, der in diesem Moment Gefühl zeigt – vielleicht durch die Worte hervorgerufen. Das soll an dieser Stelle reichen. Danke noch mal Michael, dass ich dich vorstellen durfte. Da wir gleicher Jahrgang sind und du scheinbar in der gleich Stadt wohnst, sollten wir uns mal auf ’nen Kaffee treffen :) Das ist mal wieder eine kleine Welt …